Sandkasten-Upcycling

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Ich sitze am Spielfeldrand beim Fußballtraining, neuer Platz, neuer Verein, neue Zeiten. Dank Nachwuchsmangel sind wir fusioniert worden, das ist theoretisch eine gute Idee. Heute bin ich das erste Mal dabei. Auf dem Hinweg war schon mein Fahrrad platt, also zurück und mit dem Auto los, nur um gleich im Baustellenstau zu landen und anschließend festzustellen, dass der Kleine alles außer den Schuhen aus der Fußballtasche ausgepackt hatte. Super. Der Tag kann nur besser werden. Die Woche. Der Monat.

Ihr merkt, ich bin nicht gerade in Hochstimmung.

Am letzten Wochenende dagegen war ich in Hochstimmung, da habe ich nämlich spontan eine Idee umgesetzt, die schon länger gärte. So was passiert mir in letzter Zeit echt viel zu selten.

Gleich drei herumstehende Sachen konnte ich verwenden:

Der seit Jahren nicht mehr gebrauchte Sandkasten, mittlerweile auch schon zehn Jahren alt, einen Rest Teppich und die Auflage für die Badewanne, auf der wir früher die Babybadewanne abzustellen pflegten. Das ist auch schon wieder ein paar Jahre her, unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht.

Der Sandkasten wurde umgedreht, die Auflage darauf gelegt und passend abgeschnitten, dass sie nirgends übersteht.

Im nächsten Schritt den Teppichrest passend zuschneiden und auf das Holz kleben. Alleskleber war nicht der erste Versuch, aber die richtige Wahl.

Ich hatte Glück, dass die alte Wannenauflage ohne zusätzliche Befestigung am Sandkasten hält. Dadurch ging es tatsächlich ziemlich schnell. Jetzt nur noch umdrehen und den plötzlich Indoor-geeigneten Sandkasten neu befüllen. Natürlich nicht mit Sand ..

… sondern mit Lego! Endlich in einer Kiste, die groß genug ist, um sie auf der Suche nach DEM einen Teil zu durchsuchen! Und abends einfach Deckel drauf und unters Bett geschoben.

Perfekt!

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Sterntaler – Zwischenstand

Ein schneller Zwischenstand zu Sterntaler: An einem besonders langen Arbeitstag letzte Woche habe ich die Reisetasche einfach mal mit zur Arbeit genommen und bin in der Mittagspause für ein Stündchen in den benachbarten Park gegangen. Und siehe da: Das Schwarz ist fertig!

Das Foto entstand spontan auf der Parkbank. :)

Jetzt fehlen noch blauer Text und goldene Sterntaler. Auf die weiße Füllung von Kleid und Astlöchern verzichte ich. Und freue mich jetzt schon auf die Nixe, die als Nächstes in die Reisetasche ziehen möchte. :)

Herbstdame (fremde Feder)

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Ich schmücke mich heute noch mal mit einer fremden Feder. Das kommt davon, wenn man mir ein Stickbild überlässt, damit ich ein Kissen draus mache, ich verblogge es einfach mal. In diesem Fall hat die beste M. der Welt gestickt, und zwar das:

20190619_145621.jpgEine Dame in lila und Gold, passend zum goldenen Herbst mit dunklen Weintrauben. :) Und mit jeder Menge Perlen. Die Rückseite und schmale Streifen rechts und links zur Anpassung an die Kissengröße 40×40 sind aus lilanem Aida-Stoff gemacht. Das war erst einmal Zufall und ist so passiert, weil das Bild halt auf dem lilanen Stoff drauf lag und dabei gut aussah. Warum bei mir momentan lilane Stoffe einfach so herumliegen, ist ein anderes Thema, ein anderes Projekt und ein anderer Blogbeitrag. Eine eingeweihte Blogleserin freut sich hoffentlich schon …

Ungewollt, aber sehr niedlich kommt auf dem Bild übrigens auch ein versteckter Superheld daher, der auf der Damenbank eigentlich so gar nichts verloren hat. :D

Langjährige, treue Blogleser* mit gutem Gedächtnis haben beim Anblick der Autumn-Lady ihre Stirn leicht gerunzelt und nachgedacht, warum ihnen die Dame so bekannt vorkommt.

Darum:20190619_143106.jpgMeine Version der Dame war die Weihnachtsausgabe! Ich hatte damals auf den Schriftzug verzichtet, damit das Bild noch auf ein Kissen passt, und hatte insgesamt einen etwas gröberen Stoff gewählt. Dadurch wirkt die Lady in Red etwas größer als ihre Schwester. Und auch wenn die Herbstdame nicht auf meiner Damenbank bleibt (schade eigentlich), sondern zur besten M. der Welt zurückkehrt, ist soviel schon klar: Wenn ich noch einmal eine der Ladys aus einem ganzen Jahreszeitenreigen (Spring, Summer, Winter gibt es auch noch) sticken sollte, werde ich die Vorlage vorher gespiegelt kopieren. Sonst sieht es nachher aus wie eine Prozession. Das man von der Idee passen, Jahreszeiten begegnen sich schließlich eher selten, aber es sähe besser aus, wenn sie sich angucken, oder?

Alldieweil steht die Klarinette schon an der Stickecke, aber ich mag noch nicht so recht. Stattdessen sticke ich in schwarz auf dunkellila ein Hochzeitsgeschenk, das soll ja irgendwann fertig werden – auch wenn mir noch kein Termin bekannt ist. Das macht gerade viel Spaß und benötigt Tageslicht … schön, dass das Wetter so heiß ist, dass man draußen halbe Tage Kinder beaufsichtigend am Planschbecken herumlungern kann, zumindest am Wochenende. Und so langsam wird es auch wieder mit der Lust auf Rotation. :)

Upcycling im Garten

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Auch 2019 haben wir noch einen kleinen Garten, eingequetscht zwischen Terrasse und Wald. Wer hätte das gedacht? Und wir haben nicht nur einen Garten, wir haben auch jeden Menge Insekten und vermutlich einen heißen Sommer vor der Tür. Letztes Jahr gab es im Radio Aufrufe, flache Schalen als Insektentränken aufzustellen, was wir auch versucht haben zu tun. Und irgendwann im Urlaub gab es in einem Blumenladen ganz entzückende Insektentränken, die ich jetzt einfach mal nachgebastelt habe.

Man braucht: einen Stock, leere Deckelchen von Flaschen oder Getränkeverpackungen, Heißkleber. Die Trinkgelegenheiten werden jetzt schon gut von Hummeln angenommen, und man tritt nicht so schnell drauf wie auf flache Schalen, die irgendwo im üppigen Grün versteckt stehen. :D

Was ich jetzt gerade nicht zeigen kann: Die Chancen stehen ganz gut, dieses Jahr tatsächlich keine braunen „Löcher“ mehr im Beet zu haben. Stattdessen muss ich stellenweise anfangen, Pflanzen auszumachen, damit die Nachbarpflanzen noch eine Überlebenschance haben. Der kleine Garten hinterm Haus wird vermutlich nicht viel Arbeit machen diesen Sommer. Kein Platz mehr für Unkraut!? (Wunschdenken aus.) Und während ich mich schon auf den alljährlichen Kampf mit den Schnecken eingestellt hatte, haben 15 Minuten Hagelschauer die Funkien zerfetzt, das hätte keine Schneckenfamilie schöner hinbekommen können. Schade.

Unbeschadet überstanden haben den Hagel neue Kletterpflanzen. Ich werde gerade ein großer Kletterpflanzen-Fan, damit kann man den Zaun zum Wald so toll verschönern, und wenn ich es schaffe, den alten Kirschbaum auf der anderen Seite des Zauns als Rankhilfe zu etablieren, können wir in zwei, drei Jahren oben aus dem Fenster schauen und sehen nicht mehr nur Baumstämme, sondern grün und lila und weiß. :)

Twelve days of Christmas – Runde 3

Was bisher geschah: Erst den Rahmen sticken. Dann die Rähmchen im Rahmen. Dann alle Rahmen umranden, bis das Garn alle ist. So sah es aus: 20190331_092527.jpgUnscharf, klar. Seitdem habe ich ein neues Glas auf die Linse meines Smartphones setzen lassen und dieses Problem damit hoffentlich vorerst aus der Welt geschafft.

In der Zwischenzeit kombinierte die beste M. der Welt ihren Platzmangel mit meinem Garnmangel. (Hat hier jemand jemals „Ankh“ gespielt? Da gab es immer die wunderbare Beschreibung „Kombiniere X mit Y“, z.B. „Kombiniere Kleiderbügel mit Garnrolle“, und schon hatte man einen funktionstüchtigen Aufzug.) Dadurch ist mein Garnfundus deutlich größer geworden und hat Zugriffsrechte durch M. dazu gewonnen. Und das passende Garn für mehr Umrandungen. Hurra?

20190528_072643.jpgNach sechseinhalb Stunden wurde ich plötzlich ganz aufgeregt: Die Umrandungen sind fertig!! (Na gut, wenn man von der noch fehlenden Grünzeugranke absieht, die sich noch einmal komplett durch den äußeren Rahmen hindurchschlängeln muss. *hüstel*) Also dann, es geht an den Inhalt! Bevor ich mich an die 12 Tage selber mache, wird jetzt aber erst einmal der „Header“ gefüllt, und Joan Elliott, Designerin und Meisterin des Faltenwurfs, hatte offenbar Spaß bei der Gestaltung eines kleinen Posaunenengels. 20190528_072720.jpgDreimal Rot, dreimal Grün, zweimal Gelb. Perlen fehlen noch. Joan Elliott in Bestform. Das hat Spaß gemacht, und zehn Stunden waren viel zu schnell um.

Wie geht es jetzt weiter? Von vorne!

1. Klarinette (27)
2. Tecklenburger Turney (21)
3. Wrath (22)
4. Pferde am Bach (11)
5. Pferde im Wasser (7)
6. Twelve days of christmas (3)

Großprojekt, noch ein Großprojekt, noch ein Großprojekt. Auf ins Gefecht!

Reisetaschenreport: Sterntaler – 3

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Abiturtreffen bedeutet natürlich, dass ich bei meinen Eltern war, und da ich wirklich, wirklich gerne mindestens eine der Stickpackungen anfangen würde, die ich auf der Creativa 2019 erworben habe, und noch ein Hochzeitsgeschenk sticken muss, hätte ich Sterntaler gerne möglichst schnell aus der Reisetasche raus. Also hurtig freie Minuten genutzt und gestickt. So schnell das in der feinen Stichgröße halt geht. ;)

Das war der Stand vorher: 20190305_100845.jpgAls Erstes habe ich übrigens den Kommafehler korrigiert, den die deutschlehrende Schwester gefunden hatte. Sieht ihn jemand? Mir war er nicht so ganz klar, nur dass irgendwas nicht stimmt, wusste ich. Hier nun also die richtige Version: 20190522_205318.jpgAußerdem ist der linke Baum fertig geworden, Sterntaler selbst und ein Pflanzenbüschel rechts vom rechten Baum. Das Foto ist jetzt schon nicht mehr ganz aktuell, aus dem noch nicht wirklich erkennbaren Baumansatz in Sterntalers Rücken ist mittlerweile ein erkennbarer Ansatz geworden. ;) Bis zur selben Höhe wie beim linken Baum braucht es allerdings noch eine Weile, und Text fehlt auch noch nicht zu knapp. Ich meine mich allerdings zu erinnern, dass der Text sich recht schnell sticken ließ. Und in Gold-Metallic-Garn fehlen natürlich noch die Sterntaler selbst. Das wird hübsch, ich freu mich schon drauf. Sterntaler wird das nächste Kissen für die Damenbank werden, die hatte auch schon länger keinen Zuwachs mehr. Zumindest wenn man von den elf Papier-Ninjagos absieht, die mein Sohn ausgemalt, ausgeschnitten und zum Fußballtraining auf die Bank geschickt hat. Sitzen kann man momentan also nicht mehr, diese Damenbank wurde wegen Überfüllung geschlossen. Vielleicht sollte ich vor der nächsten Rotationsrunde einfach nochmal Sterntaler einschieben? Vielleicht wird es demnächst ja auch einfach Sommer, und ich kann wieder in den Garten gehen und draußen sticken, das wäre toll.

Absurde Idee

Irgendwas ist immer. Letzte Woche war Stress, am Wochenende 20-jähriges Abiturtreffen mit Einsicht in die Klausuren, jetzt bin ich erkältet. Die Rotationsrunde ist um, ich habe keine Lust, die nächste Runde anzufangen, auch wenn ich Lust aufs Sticken und auf neue Projekte habe. Vielleicht liegt es an der Erkältung. Ich will einfach nicht. Im Fernsehen kommt nichts, was mich interessiert, meine DVDs locken heute auch nicht, nicht mal die neu erworbenen (zwei Verfilmungen „Viel Lärm um Nichts“, all-time-favourites, warum hatte ich die nicht längst?). Vielleicht sollte ich einfach ins Bett gehen? Ist dieses Gefühl etwa … LANGEWEILE?? Absurde Idee.

Ich könnte einfach ein Buch lesen. Das wäre mal eine Idee. Oder ich könnte … BLOGGEN?? Absurde Idee!

Aber hier bin ich. Sitze im Bett, Laptop auf den Knieen, Taschentücherpackung in Reichweite, um erst zu bloggen und dann zu lesen und womöglich sogar früh zu schlafen. Das wäre nun wirklich absurd. So kenne ich mich gar nicht. Aber was heißt das schon?

Am letzten Wochenende war Abitreffen. 20-jähriges. Es ist jetzt mehr als ein halbes Leben her, dass ich zur Schule gegangen bin, der Gedanke ist doch schon irgendwie komisch. Und ich merke immer noch, wie sehr ich von dem Wissen zehre, dass ich vor allem in der Oberstufe gewonnen habe. Ich habe an der Schule fürs Leben gelernt, tatsächlich. Weniger Mathematik und Französisch, dafür mehr logisches Denken, kritisches Hinterfragen und Analysieren. Die Fähigkeit, aus einem Text die wichtigen Informationen herauszufiltern und anschließend das Gefühl zu haben, den Text verstanden zu haben. Nicht alles zu glauben, was ich lese. Solche Sachen halt. Interessanter als der Blick in die alte Schule und die Klausuren war natürlich der Blick auf die alten Schulkameraden. Wir sind jetzt alle um die vierzig, noch nicht so sehr alt. Manche habe ich sofort erkannt, bei manchen war ich froh, dass es Namensschilder gab, und bei einigen hätte ich Stein und Bein geschworen, dass ich sie noch nie im Leben gesehen habe. Sehr viele gute Gespräche habe ich geführt, viele davon mit Menschen, die mich vor über zwanzig Jahren lieber ignoriert haben. Interessanterweise ging es meinen ehemaligen Mitschülern mit mir genau so: Etwa hälftig waren sie der Meinung, ich hätte mich nicht groß verändert, oder sie haben mich nicht wieder erkannt. Woran liegt es? Vielleicht an einer Lektion, die ich erst nach der Schulzeit gelernt habe: Selbstbewusstsein. Es gibt aus der ganzen Jugendzeit nur eine Handvoll Bilder von mir, auf denen ich nicht verkrampft wirke. Da würde ich gerne einmal in die Vergangenheit zurückreisen und mein altes Ich knuffen. Menschenskind, was habe ich mir selber im Weg gestanden! Das passiert mir heute definitiv nicht mehr, oder vielleicht auf anders, was ich heute noch nicht sehe. Dafür müsste ich jetzt mein 60-jähriges Ich befragen. Aber man übersieht mich heute nicht mehr, während ich früher krampfhaft (und erfolglos) versucht habe, mich in der Masse aufzulösen. Wer mich heute kennt, kann sich das wahrscheinlich ebenso wenig vorstellen wie die Menschen, die mich nur vor 20 Jahren kannten. Das ist schon ein Unterschied.

Vor dem Abitreffen war letzte Woche noch Stress. Merke: Niemals drei Wochen krank sein, drei Tage arbeiten, zwei Wochen „Urlaub“ (mit Erstkommunion), zwei Tage arbeiten, drei Tage Fortbildung und sich anschließend einbilden, man könnte in einer Woche die liegengebliebene Arbeit nachholen und in Ruhe „Shakespeare zum Mitlesen“ vorbereiten. Dabei mag ich diese Veranstaltungsreihe sehr und hatte mir diesmal eines meiner Lieblingsstücke gegönnt: Viel Lärm um Nichts. Und ich hatte lange mit mir gerungen, ob ich mir die Beatrice als Rolle gönne oder wie sonst im eigenen Haus als Gastgeberin nur die übrig gebliebenen Rollen lese. So lange, bis sich jemand anders die Rolle reserviert hatte. Dann war ich eine ganze Weile unglücklich, und als am Vortag die Wunsch-Beatrice absagte, weil sie keine Zeit gefunden hatte, sich vorzubereiten, hätte ich die Beatrice nur noch an Julia abgetreten. <3

Der Shakespeare-Abend stand unter keinem sehr guten Stern. Einige Absagen noch am Tag, selber krank, Kind krank, Hund krank … letztendlich waren wir 14 Leser, das ist nicht sehr viel für Shakespeare, da gab es schon Doppelt- und Dreifachbesetzungen. Dazu mein Mann, den ich als Vorleser wirklich sehr schätze, er das Stück allerdings so gar nicht, und der mir den Gefallen tun musste, Benedict zu lesen. Aber egal wie die Vorzeichen stehen, Shakespeare fesselt immer wieder. Der erste Akt beginnt etwas zögerlich, alle müssen sich erst noch hineinfühlen, wer das Stück nicht kennt, verfolgt erst einmal die sich langsam aufbauende Handlung. Erste Lacher beim ersten Wortgefecht zwischen Benedict und Beatrice. „Immer müsst ihr mit lahmen Pferdegeschichten aufhören“ geht in den Sprachgebrauch meiner Ehe ein (und findet seitdem immer mal wieder Verwendung). Die Handlung plätschert, die Dialoge sitzen (für spontanes Lesen sogar ziemlich gut), und der Abend wird immer lustiger. Vielleicht hätten wir Sekt trinken sollen dazu? Eine Unterbrechung wegen anhaltenden Gelächters, so was stört beim Lesen nun wirklich, vor allem wenn man selber gerade dran wäre. Hin und wieder ein ungläubiges „Was??“, Shakespeare legt seinen Figuren manchmal wirklich seltsame Sätze in den Mund. Egal, muss man durch. Und irgendwann kommt die Szene, auf die ich mich schon den ganzen Abend freue. Vierter Akt, Beatrice überredet Benedict, seinen besten Freund zum Duell zu fordern. Die ganze Verzweiflung einer Frau, die nicht selbst aktiv werden kann. O dass ich ein Mann wäre! Benedict versucht sich herauszuwinden, -zuwitzeln, und Beatrice kämpft mit Worten, andere Möglichkeiten hat sie ja nicht als Frau. O dass ich ein Mann wäre! Und während wir lesen, mein sich windender Mann und ich in meiner Verzweiflung, liegt plötzlich eine Spannung in der Luft, als hielten alle zusammen den Atem an. Das ist keine Komödie mehr, hier und jetzt ist Drama. Das war das erste Mal, dass ich in meiner Bücherei gezeigt habe, wozu ich beim Vorlesen fähig bin. Und es tat so gut.

Jetzt fehlt nur noch ein Termin für die nächste Shakespeare-Lesung im Herbst sowie ein passendes Drama. Nicht zu lange Monologe, möglichst gleichmäßig verteilte Rollen, ein paar Frauen wären nicht schlecht. Hamlet ist zu lang. Ideen, anyone?

Kein Handarbeitspost heute. Absurde Idee?

Pferde im Wasser – Runde 7

Das war der Stand vorher:

Seitdem ist das fünfte Pferd vollständig aufgetaucht und hat jede Menge Wasser im Schlepptau.

Das Wasser besteht aus vier Farbtönen, einmal weiß und dreimal blau. Und zum linken Bildrand hin ist es jetzt fertig. Links fehlen noch zwei Pferde, davon eins in zweiter Reihe.

Das sieht überschaubar aus. Und nach rechts Wasser für ein Pferd und ein letztes Pferd. Ich bin eindeutig und deutlich in der zweiten Halbzeit angekommen. Und freue mich, da ich immer öfter an all die schönen Stickpackungen denken muss, die seit der Creativa in meinen Schubladen schlummern. Ich habe so richtig Lust auf etwas Neues, also Tempo bei den aktuellen Projekten!

Wie geht es weiter? Mit 12 Tagen, die beinahe noch neu sind. :) Erst Runde 3:

1. Klarinette (27)
2. Tecklenburger Turney (21)
3. Wrath (22)
4. Pferde am Bach (11)
5. Pferde im Wasser (7)
6. Twelve days of christmas (2)

Pferde am Bach – Runde 11

Mehr aus Trotz als sonst was habe ich mich Samstag Abend noch hingesetzt, um die verbleibenden 45 Minuten zu sticken. Das kann doch nicht so schwer sein! Der Mann war mit den Töchtern noch unterwegs, der Kleine endlich im Bett, und um 21:15 Uhr war dann auch das Elternbeiratsprotokoll geschrieben und verschickt. Eigentlich wollte ich ins Bett gehen. So müde! Uneigentlich… 45 Minuten fehlen und die ganze Woche nicht gestickt. Es ist so frustrierend!

Also habe ich mich dran gesetzt. Kaum hatte ich die Nadel in der Hand, kam die noch ausstehende Familie zurück, samt dreiköpfigem Mitteilungsbedürfnis. An für sich schön, aber im falschen Moment. Bis ich 45 Minuten am Stickrahmen zusammen hatte, war es nach 23 Uhr. Nur für den Fall, dass sich jemand fragt, wo diese dauernde Müdigkeit herkommt. ;)

Der Bach hat jetzt ein rechtes Ufer. Das ist ebenso mit blauem Schnee bedeckt wie das linksbachige, und entsprechend habe ich die ganze Runde fast nur blau gestickt. Tatsächlich sind die einfarbigen Flächen in der zweiten Bildhälfte deutlich größer als in der ersten. Was nichts ist, worüber ich mich Samstag Abends um 23 Uhr beschweren würde. :)

Wie geht es weiter in der Rotation?
1. Klarinette (27)
2. Tecklenburger Turney (21)
3. Wrath (22)
4. Pferde am Bach (11)
5. Pferde im Wasser (6)
6. Twelve days of christmas (2)

Mehr Pferde, mehr Wasser, mehr Blau. Und Muttertag, an dem ich versucht habe durchzusetzen, dass ich auch ein bisschen selbstbestimmte Zeit habe. „Doofer Muttertag!“, fand der Kleine dann auch. Was für ein Glück für ihn, dass er nur einmal im Jahr stattfindet. Die Stickuhr steht jetzt auf 2:51. Ich bin gespannt, wie lange das so bleibt.

Während ich das schreibe, sitze ich beim Orthopäden mit Akupunkturnadeln im Rücken. Auch nicht schlecht.

Alltag

Der Alltag hat mich wieder. Ich kreise zwischen Haushalt, Kindern, Arbeit und all dem, was ich sonst noch machen möchte, werfe hin und wieder einen sehnsüchtigen Blick auf die Couch und die Stickarbeit, sie da liegt, auf mich wartet und langsam zustaubt. Gefühlt habe ich meine Kinder diese Woche fast gar nicht gesehen, geschweige denn ein bisschen Freizeit gehabt. Ein halbes Jahr ohne Au-pair, und ich fange es an zu merken …

Dabei hoffe ich noch, dass diese Woche sich nur so angefühlt hat, wie sie sich angefühlt hat, weil ich nach sechs Wochen Krankheit und Urlaub einfach raus bin. Dazu waren auch noch Osterferien, heißt Morgens nicht um 6:15 Uhr aufstehen. Zumindest theoretisch – praktisch hat sich mein Biorhythmus offenbar auf die Zeit eingestellt, da kann der Wecker noch so schön auf 7:00 Uhr stehen. Auch wenn mein Biorhythmus dann den ganzen restlichen Tag der Meinung ist, ich hätte ein bisschen mehr schlafen sollen.

Alltag. Zu wenig Zeit, zu wenig Schlaf, zu viele Termine. Während ich das schreibe, läuft zu Hause die Waschmaschine, die Große habe ich in der Bücherei zum Manga-Workshop abgegeben, und ich stehe am Spielfeldrand, wo der Kleine sich für sein erstes Fußball-Meisterschaftsspiel warm läuft. Das wird mir in der nächsten Saison häufiger passieren, schätze ich. Je größer er wird, desto häufiger.

Meinem Rücken geht es so gut, wie es mit einem Bandscheibenvorfall gehen kann. Meistens bin ich schmerzfrei. Wenn der Kleine abends seine Folge Paw Patrol oder Bob der Baumeister guckt, liege ich auf dem Teppich und mache meine Übungen. Mittlerweile 50 Sit-Ups in unterschiedlichen Ausführungen. Fällt die Folge aus, fallen die Übungen aus. Pädagogisch höchst fragwürdig, das. Nur das mit dem Fahrrad fahren, das ist leider ein Problem geworden. Die Kurzstrecken im Stadtteil fahren sich, als wäre nie etwas gewesen, aber bei einer Fahrzeit von 30 Minuten schläft mein linker Fuß ein. Nicht gut, das.

Alltag. Ich sollte versuchen kürzer zu treten, aber das liegt mir nicht. Heute Abend lasse ich eine Geburtstagsparty ausfallen, ich will endlich mal frei haben. Trotzdem will das Protokoll der letzten Elternbeiratssitzung bis Morgen Abend geschrieben sein, wie frei wird mein freier Abend wohl werden? Die Erstkommunion dieses Jahr ist vorbei, es hat eine Menge Unstimmigkeiten zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen gegeben. Mache ich nächstes Mal wieder mit? Die beiden anderen Katechetinnen in unserer Gemeinde schmeißen hin, eine hat es schon mitten in der Kommunionvorbereitung getan. Angesichts meines Terminkalenders sollte ich es lassen. Aber ich mag die Gemeindereferentin, sie ist jung, es ist ihre erste Stelle, ich sehe, wie sie sich aufreibt. Eigentlich möchte ich sie nicht im Stich lassen. Uneigentlich? Ich weiß es nicht.

So, Spiel läuft. Ich muss gucken und jubeln und was Fußballmamas sonst noch so tun. Und heute Abend hoffentlich mindestens eine Stunde sticken, damit ich nächste Woche auch wieder was Ordentliches zu verbloggen habe. ;)