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Smoky fragt jeden Montag… oder diese Woche auch mal Dienstag, und ich antworte am Mittwoch. Irgendwie werden die Wochen immer kürzer. :)
Diese Woche möchte Smoky wissen:

Es gibt Bücher, die man zu jeder Zeit lesen kann und es gibt Bücher, die nur in eine bestimmte Jahreszeit passen. Oder wer liest schon Weihnachtsgeschichten bei 35°C am Strand oder Ostergeschichten im Dezember? Und nun möchte ich wissen: Welches Buch ist für Euch ganz eindeutig ein Herbst-Buch?

Da hab ich erst mal drüber nachdenken müssen. Ich will mich ja hier nicht blamieren, so als Buchempfehlungsprofi… meine Antwort:
Theodor Storm – Der Schimmelreiter

Warum? Weil ich das Buch das erste Mal gelesen habe als Jugendliche, versteckt in dem Spalt zwischen Sofa und Heizung, im gelben Licht der Stehlampe neben dem Sofa. Draußen Dunkelheit und Wind, drinnen in meiner Lesehöhle bin ich versunken. Hauke Haiens finsterer Blick, feurig stampfende Pferdehufe, Sturm und Wellen, eiskalte Fluten, verzweifelte Rufe auf dem Deich sind in meinem Kopf entstanden. Ich bin völlig versunken in dieser Geschichte. Theodor Storm mag keinen modernen Schreibstil haben, für manchen heutigen Leser vielleicht sperrig wirken, aber er kann einen Zauber mit seinen Worten weben, der immer noch wirkt. Zumindest in der richtigen Umgebung.
Ohne den Wind, der an den Rolladenkästen zerrt, die Dunkelheit vor dem Wohnzimmerfenster und den Regen wäre der Schimmelreiter nicht halb so packend gewesen, glaube ich. Im Hochsommer über Springfluten und Geisterpferde lesen? Wohl eher nicht. Storm gehört in dem Herbststurm. Zumindest diese Geschichte.

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