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Wisst ihr noch, wie es war als Achtjährige? Was ihr euch vorgestellt habt, wie euer Leben später sein würde? Wie ihr gedacht und empfunden habt?

Ich persönlich war für eine Achtjährige vermutlich seltsam. Ich habe bewusst Erinnerungen gesammelt, damit ich mich später immer daran würde erinnern können, wie man sich als Kind fühlt. (Nicht dass mir das heute mit meinen Kindern weiterhelfen würde…) Ich weiß zum Beispiel noch, wie es ist, zum ersten Mal im Jahr ohne Jacke raus zu dürfen. Wie ich auf dem Gartenweg stand, kurz vor Mittag, und mir die Sonne ins Gesicht und auf den Bauch scheinen ließ. Ich weiß nicht mehr, wo meine Geschwister zu dieser Zeit waren, was ich anhatte oder warum ich an einem Freitag kurz vor Mittag im Garten stand und nicht in der Schule saß. Aber ich weiß noch, wie es sich anfühlt, wenn einem die Sonne durch den Pullover durch den achtjährigen Bauch wärmt.

Ich erinnere mich auch daran, mit meiner Klasse im dunklen Schultreppenhaus gestanden zu haben, die raue Mauer des Treppenaufgangs kratzte an meiner Hand, wir warteten auf den Pausengong, und ich dachte darüber nach, wie mein Leben wohl sein würde, wenn ich 33 bin. Ich habe am 3.3. Geburtstag, daher vermutlich die Jahreszahl. Es war unvorstellbar. Ich war mir nicht sicher, was ich beruflich machen wollte, nur heiraten und Kinder kriegen war damals schon fest eingeplant, und mich beschäftigte die Frage, wie alt man eigentlich so ist mit 33. Ist das alt?

Jetzt war ich 33. Womit wir endlich beim eigentlichen Thema des heutigen novellenlangen Posts angekommen sind. Alt ist es nicht, finde ich. Und was könnte ich meinem achtjährigen Ich sagen, wie das Leben so ist mit 33? Kurz: der Hammer.

Viele Jahresrückblicke habe ich gelesen in verschiedenen Blogs, die alle den Tenor hatten: „Tschüss 2013, endlich vorbei!“ Für mich kann ich das nicht bestätigen. Mein persönlicher Jahresrückblick auf mein lang erwartetes 33. Lebensjahr, mein Schnapsjahr, das Jahr meines Lebens, fällt absolut positiv aus. Es hatte viel in petto für mich, dieses Jahr, viele Überraschungen, wovon die meisten schön waren. Es war zwar auch viel Stress, viel Müdigkeit, ich war nicht so gesund, wie ich es gerne gehabt hätte, mein Nervenkostüm ist weiterhin eine Baustelle, aber… das war es wert. Ich hab überlegt, wie ich davon erzähle, chronologisch oder thematisch sortiert. Ich versuche es lieber in thematisch, sonst sitze ich hier nachher noch mit dem Kalender vor dem Rechner, um bloß nichts zu vergessen, und das wollte ich eigentlich nicht. Also…

Beruf:

Komisch, damit anzufangen, aber das Thema ist so schön klar umgrenzt und gut abzuhandeln. Ich habe letztes Jahr meine absolute Traumstelle bekommen. Die Stelle, die ich schon haben wollte, als ich vor elf Jahren hierher zog, und von der ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie jemals frei würde. Meine Vorgängerin und die Bücherei schienen so miteinander verbunden, es stand völlig außer Frage, dass man sie jemals trennen könnte. Umso größer die Überraschung. :)

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, konnte mir das Leben in einer Großstadt nie so recht vorstellen (als Achtjährige, und jetzt lebe ich schon über ein Jahrzehnt im Pott. Freiwillig.), und bin eigentlich sehr glücklich mit dem Leben im dörflich geprägten Stadtteil. Eine Zweigbücherei ist die perfekte Mischung aus einer Kleinstadtbücherei, in der man jeden Leser kennt (und die Leser einen auf der Straße grüßen) und einem großstädtischen Bibliothekssystem, in dem es Profis für alle Fragen gibt und man nicht alleine gegen die Windmühlen der trägereigenen Bürokratie kämpfen muss. (Wenn das keine Gummipunkte bei den Kolleginnen gibt, weiß ich auch nicht. ;) Ich liebe meinen Beruf, „meine“ Bücherei und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die man plötzlich hat, wenn man mit dem Fahrrad in fünf Minuten von zu Hause am Kindergarten und im Büro ist. Perfekt.

 Studium:

Äh, ja. Das gibt es noch. Eigentlich wollte ich es letztes Semester abgeschlossen haben, aber das hat nicht geklappt. Zuviele andere schöne, zeitraubende Dinge. Aber mir fehlt nur noch die Masterthesis, und damit haben die Wölfin und ich zumindest angefangen. Das war die beste Idee überhaupt, die Wölfin zu überreden, dass sie ihr tolles Masterthesisthema mit mir teilt. Jetzt schreiben wir zu zweit, was den Vorteil hat, dass wir tatsächlich auch was schreiben und nicht nur daran denken, dass wir allmählich mal was tun müssten. Wir geben uns selber und/oder gegenseitig Hausaufgaben auf und setzen Termine, und wir halten uns (meistens) dran. Macht zwar momentan nicht unbedingt Spaß, aber wir kommen weiter. Das ist das Wichtigste. In den nächsten Wochen werden wir die Arbeit anmelden, und dann läuft der Vier-Monate-Countdown zur Abgabe. Spätestens Ende Juli sollte dieses Thema gegessen sein. Damit bin ich schneller als so manch Andere in meinem Studiengang, und angesichts der Tatsache, dass man dieses Studium ja berufsbegleitend als Fernstudium macht, bin ich zufrieden mit dem Zeitplan. Das wird. :)

Schöner wohnen:

Jahrelang war das ein Dauerbrennerthema, die Wohnsituation. Meine Familie und ich wohnen ein einem Mehrparteienkomplex, so könnte man es wohl nennen, der meinen Schwiegereltern gehört. Wir wohnen hier, der Betrieb meines Mannes, meine Schwiegereltern (wenn sie nicht gerade auf Reisen sind) und zwei weitere Familien. Jahrelang wurde hin und her geplant, weil meinen Schwiegereltern das Haus zu groß, die große Wohnung aber dann doch zu klein war, die Verwandten nicht in die ihnen zugedachte kleine Wohnung ziehen wollten, die Mieter nicht zufrieden waren, aber auch nicht ausziehen wollten… alle paar Monate kam wieder ein neuer Plan auf, und kaum hatte man sich drauf eingestellt, wurde er wieder hinfällig. Das zog sich über Jahre! Zuletzt wurde vor Gericht mit dem Mieter verhandelt. Dann wieder sollte die große Wohnung doch nicht wieder in zwei Wohnungen geteilt werden (wie ursprünglich gebaut und so gedacht), wir mussten entscheiden, ob wir sie ganz oder gar nicht nehmen. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell, und Mitte März (da war ich gerade 33) erfuhren wir, dass wir die große Wohnung ab 1. Mai haben. Wumms. Jahrelange Planungen wurden konkret, aber bis auf die Frage, wieviele Steckdosen wohin kommen und wo der Lichtschalter hin soll, war die Wohnung in meinem Kopf schon eingerichtet. Also haben wir Tage damit verbracht, Bodenbeläge auszusuchen und zu bestellen, die Küchenplanung in eine Bestellung zu verwandeln, Zeit- und Raumpläne zu konkretisieren und umzusetzen. Zwei Monate haben wir teilweise mit Profis, immer mit viel Hilfe von Familie und begabten bis begnadeten Heimwerkern die große Wohnung in unser Zuhause verwandelt. Es wurden Wände herausgerissen und eingezogen, Kabel und Kanäle verlegt, sogar eine Toilette eliminiert, alle sechs Seiten fast jedes Zimmers aufbereitet, geglättet, beklebt, gestrichen, belegt, was immer nötig war. Ganz fertig sind wir bis heute nicht, aber das gehört sich so für ein Zuhause, es gibt immer was zu tun (singing jajajippiehjippiehjeah). Wir sind erst Stück für Stück umgezogen, soweit das schon ging, unten kochen, oben waschen, neue Möbel halb aufgebaut in der neuen Wohnung, alte Möbel halb abgebaut in der alten Wohnung. Zwei Tage vor dem großen Umzug mit vielen Freunden als Helfern regnete es eine Stunde lang, und der Keller stand knietief unter Wasser. Mit ihm der Betrieb, was wirklich schlimm war und in den nächsten Wochen alle Kräfte band. Was wiederum die Fertigstellung der Wohnung um Monate zurückwarf. Und mit dem Keller standen ein paar unserer Möbel, die noch nicht in der neuen Wohnung waren, und sämtliche Umzugskartons unter Wasser. Die nächsten zwei Tage habe ich damit verbracht, die neue Wohnung soweit vom getrockneten oder rechtzeitig geretteten Kellerinhalt zu befreien, dass wir einziehen konnten. Und dann gab es den offiziell am schlechtesten organisierten Umzug aller Zeiten. Ohne Kartons.

Mittlerweile leben wir seit etwa neun Monaten in unser neuen Wohnung, und für mich ist sie ein echtes Zuhause. Ich freue mich jeden Morgen über den Blick aus dem Fenster, genieße jeden Abend den Blick durchs Wohnzimmer und liebe das Licht, die Weite und die Behaglichkeit, die sie ausstrahlt. Es hat sich so absolut gelohnt. Mittlerweile haben wir es sogar geschafft, den maroden Balkon durch eine Außentreppe zu ersetzen, so dass wir dieses Jahr daran gehen können, uns einen Sitzplatz und einen kleinen Schattengarten zu schaffen. Ideen gibt es schon reichlich. :)

Freizeit & Hobby:

Diese Unterüberschrift ist ein kleiner Insider mit einem Gruß an die Kolleginnen. (Gummipunkte können mit der Hauspost zugestellt werden :D)

Ja, neben Beruf, Studium und Renovierung habe ich auch noch dem einen oder anderen Hobby gefrönt. Soviel Zeit muss sein. :) Was meine Hände so vollbracht haben mit der einen oder anderen Nadel oder auch mal der Heißklebepistole oder diversem Werkzeug, das muss ich nicht noch mal zusammentragen, dafür hat WordPress diese schöne Archivfunktion.

Tänzerisch gab es zwei Höhepunkte: Den ersten Ball meiner Schottischgruppe (vor acht Jahren selbst gegründet, ich bin sooo stolz auf meine Schäfchen!) und die Reise zum „Newcastle Festival of Scottish Country Dancing“. Und als guten Vorsatz fürs nächste Lebensjahr habe ich gerade wieder angefangen mit der Bauchtanzerei. Gut für jede Menge Muskeln und für die Laune. Nur historisches Tanzen hat gelitten bzw. überhaupt nur einmal stattgefunden. Man kann nicht alles haben.

Das gilt übrigens auch fürs Lesen. Wenn ich einen Roman in die Hand nehme, ruft mein Gewissen seit zwei Jahren, ich solle doch besser was sinnvolles lesen. Ein Vorlesungsskript oder einen Fachartikel vielleicht. Und mein Gewissen kann sehr laut rufen. Ich bin dazu übergegangen, meinen Belletristikhunger in Form von Hörbüchern zu stillen, die kann man nämlich auch während des Bügelns, Kochens oder jeder Menge anderer unumgänglicher Hausarbeiten genießen. Ätsch. Und ein Hoch auf die Onleihe!

Und dann waren wir tatsächlich das erste Mal als Familie in Urlaub. Nur eine Woche, und das im Oktober, wettertechnisch vielleicht nicht die beste Entscheidung, aber es war schöööön. Viel geschlafen, viel entspannt, ein paar Ausflüge gemacht, aber im Grunde waren wir uns selbst genug, einfach so. So wenig Streit gab es zwischen den Kurzen selten. Und ich hab mich lange nicht mehr so ausgeruht gefühlt. Zwei Wochen wären perfekt gewesen für den Erholungseffekt, aber irgendwie haben die Urlaubstage nicht mehr gereicht. Wie kann das nur?

Womit ich dann aber auch beim letzten Thema angekommen wäre:

Familie:

Große Zeiten werfen ihre Schatten voraus. Letztes Jahr hat es eigentlich keine großen Veränderungen gegeben. Die Große kommt diesen Sommer in die Schule, da mussten Entscheidungen für oder gegen die eine oder andere Schule getroffen werden, plötzlich setzte man sich mit Themen wie Offener Ganztag, Anforderungen an Schulranzen und Schleife binden für Linkshänder auseinander. Sie wird groß, die Große. Und wird dann doch wieder eine der Kleinsten sein, demnächst. Die Kleine wird auch groß, groß genug für die Ballettschule, fürs Radfahren, fürs große Bett. Und Anfang August wird die Kleine dann nicht nur groß, sondern auch Mittel werden: Mittelkind.

Die absolute Krönung meines 33. Jahres, als wenn es einer bedurft hätte: Ich erwarte mein drittes Kind.

Mehr habe ich nicht zu sagen… höchstens zu singen (ich weiß, das ist nicht das Original, aber ich lasse lieber Robbie für mich singen):

http://youtu.be/pwd7_y3kopQ

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