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Ein Jahr sind wir jetzt zu fünft. Zwei Erwachsene, drei Kinder, das fühlt sich nach Ungleichgewicht an, und das nicht nur beim Wippen. :) Fünf, ist das schon eine Großfamilie? Oder nur eine große Familie? Auf jeden Fall fühlt es sich nach richtig viel an. Und es ist ein wesentlich größerer Unterschied, als ich erwartet hätte. Daher bin ich heute mal off topic unterwegs und schreibe statt über Handarbeiten mal über Familie.

Wir machen keine Besuche mehr, wir machen Invasionen, sage ich gerne, denn zu fünft plus Gastgeber ist eimageine normale Wohnung voll. Selbst wenn von den Fünfen nur drei dazu neigen, ein Schlachtfeld aus Tisch und Kinderzimmer (sofern vorhanden) zu machen. Ich tendiere dazu, bei größeren Feiern in kleineren Wohnungen uns fünf lieber früher aus der Gleichung zu nehmen, damit sich alle anderen wieder entspannen können. Eigentlich doof, aber ich habe immer das Gefühl, wenn wir nicht da sind, ist genug Platz da. Zu fünft braucht man halt Platz. Und Klopapier. Warnung an Gastgeber: Ihr kommt sonst mit einer Rolle Klopapier zwei Wochen aus? Vergesst es! Geht einkaufen, sonst wird das Wochenende ungemütlich! Überhaupt, einkaufen. Ich kaufe jetzt die Großpackungen, dabei isst der Kleine noch gar keine ganzen Portionen. Ohne unseren Sodasprudler würde ich mich totschleppen an Wasserkästen. Ein Karton Milch pro Woche. Alle zwei Tage neues Brot. Ich schwanke permanent zwischen dem schlechten Gewissen, zuviel (Plastik-)Müll zu produzieren, und der organisatorischen Katastrophe, jeden Tag zwei Liter Milch in Glasflaschen zu kaufen und für das Jungvolk abzukochen. Zu fünft verbraucht man eine Menge Konsumgüter und produziert eine Menge Müll.

Wochenmenge an Wäsche

Wochenmenge an Wäsche. Ohne Handtücher.

Zuviel schlechtes Gewissen und zuwenig Geld, lautet die Gleichung in der Elternzeit. Ich kann es mir aber auch nicht recht machen! Zuviel zu tun und zuwenig Zeit. Vor allem zuwenig Zeit für jedes einzelne Kind. Die Große macht mit viel Gezitter und Gezage ihr Seepferdchen, wird ermutigt, gelobt und gefeiert, und prompt schmeißt die Mittlere auf dem Heimweg das geliehene Fahrrad bei jeder Steigung hin und stampft und schreit. Leider kann ich ihr schlecht helfen, solange der Kleine im Fahrradsitz hinter mir sitzt. ADS, diagnostiziert die Tante. Aufmerksamkeitsdefizit von Seiten der Mutter, da kann man schon mal Syndromsymptome entwickeln. (Anmerkung: die Mittlere ist ein gut entwickeltes, geistig mindestens sehr fähiges Kind mit umfangreichem Wortschatz und der Fähigkeit, stundenlang Bilder zu malen. Und pipimachende Osterhasen. Nur sind emotionale Ausraster leider an der Tagesordnung, seit der Kleine nicht mehr ganz winzig ist und tatsächlich echte Aufmerksamkeit braucht, statt „nur“ gestillt zu werden. Sandwich-Kind halt.) Wieder so ein Ausspruch, den ich im letzten Jahr häufiger mal gebracht habe: Das Wertvollste, was man uns schenken kann, ist Zeit.

Zu fünft ist aber auch so. „Schwestern sind viel besser als Freundinnen, die gehen nicht einfach weg. Egal, wie sehr man sich gestritten hat, Familie ist immer da!“ Hoffen wir mal, dass das nicht nur jetzt stimmt, sondern auch wenn die Kinder irgendwann erwachsen sind. :) Immer jemand da zum Spielen, zum Reden, zum Langeweile vertreiben, zum Streiten und zum Trösten. Zwischen den Kindern gibt es ein Band, das täglich wächst und stärker wird und von uns Eltern gepflegt und gehegt wird. Ein Band aus gemeinsamen Erinnerungen, Ritualen, Phantasiewelten. Ich konnte früher mit meinen Geschwistern besser spielen als mit meinen Freundinnen, weil wir uns wortlos verstanden, gemeinsam in unsere Spielwelten abtauchten, einfach gleich dachten. Das muss man erst mal können! Und heute beobachte ich bei meinen Mädchen ähnliches und freue mich einfach für sie. Der Kleine wird manchmal integriert, manchmal vor die Tür gesetzt. Er liebt seine Schwestern aber heiß und innig und guckt auch gerne mal von jenseits der Kindertür zu. Ich vertraue darauf, dass er eingewoben wird in das geschwisterliche Band.

Familie bedeutet für mich Zusammenhalt. Auch Mithilfe (wir sind alle eine Familie! Dann müssen auch alle mit anpacken! Oder gehörst du nicht dazu?), was Eltern und Kinder einschließt. Sich aufeinander verlassen können. Die Basis, von der aus wir unsere Leben aufbauen. Jeder sein eigenes, zusätzlich zum Familienleben. Wir lösen uns ja nicht auf, bloß weil wir Teil einer großen Familie sind. Nicht mal ich tue das, auch wenn das unter Müttern wohl recht beliebt sein soll, habe ich mir sagen lassen.  imageEin Jahr sind wir jetzt zu fünft. Wir sind viele. Wir sind vollzählig, sagt mein Gefühl. (Mein Mann ist erleichtert, das zu hören, dieses Einzelkind. :) Wir sind der Verwandtschaftsteil, der gemeint ist, wenn kein Vorname den Familiennamen ergänzt. Meine Familie. Glück und Stress zu gleichen Teilen. Ich wollte immer viele Kinder haben. Jetzt habe ich sie. Und nicht nur meine Kinder sind wundervoll, eine große Familie zu haben ist es auch.

Alles Gute zum 1. Geburtstag, mein Kleiner!

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