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„Oh I do like to be beside the seaside“ steht auf einer Glasscheibe, die im weißen Holzrahmen vor dem Fenster hängt und das themengebende Deko-Element in unserem Gäste-WC ist. (Foto weiter unten, ich bin schon selber verwirrt beim Erklärungsversuch.) Früher waren es die Eulen-Gästehandtücher. Vor meiner Zeit mit dem Tilda-Nähbuch. Dann kamen zwei Strandläufer und zwei rosane Schneckenhäuser, schließlich der Rahmen mit dem Spruch, und schlussendlich im Urlaub die Inspiration in Form eines Rettungsrings:image

So was will ich auch! Falls mal einer unserer Gäste versehentlich ins Klo fällt *g*. Aber was soll ich teures Geld für einen Stoffring ausgeben, sooo schwer sieht das nun auch wieder nicht aus. Dachte ich. Ungefähr so lange, bis ich an der Nähmaschine saß und einen Probering nähte – oder besser, zu nähen versuchte. Eigentlich hatte ich ausnahmsweise ein Probestück machen wollen, um die Größe besser einschätzen zu können. Uneigentlich habe ich eine Menge darüber gelernt, wie man ordnungsgemäß um eine Kurve näht. Oder zwei. Oder drei. Oder sogar vier, wenn man es ganz genau nimmt. Der an und für sich nicht dehnbare Probestoff wollte nämlich lieber nicht um die Kurve(n) und verzog sich ganz fürchterlich. (Ich habe eine ungefähre Idee, was sich die erfahrenen Näherinnen vor den Bildschirmen gerade denken, falls sie nicht schon längst mit dem Kopf die Tischkante gefunden haben. :) Also tat ich das Nächstliegende: ich bekam Panik und rief meine Mama an.

Meine Mutter blieb gelassen, diskutierte mit mir die Reihenfolge des Aneinandernähens, denn auch das Wenden von genähten Ringen funktioniert nicht einfach so (vier Halbkreise nähen, dann Vorder- und Rückseiten aneinander, dann die beiden Schläuche an einem Ende zusammennähen, wenden, dann die beiden verbliebenen Schlauchenden zum Ring schließen.), riet zu Vliesline, Reihgarn und dem hemmungslosen Einsatz von Stecknadeln und Bügeleisen. Alles, was helfen könnte, den Stoff vor der Begegnung mit dem Nähmaschinenfuß zu fixieren. Und wie das mit mütterlichen Ratschlägen oftmals ist, es hat geholfen. Hat auch nur dreimal so lange gedauert, wie ich gedacht hätte. :)image

Dafür hab ich jetzt einen bis auf zig krumme Stellen und nicht ganz so gelungene Ecken (an einem Ring! Ha!) fast schon professionell wirkenden Stoffrettungsring, an dem alle Übergänge passen. Strike! *freudentänzeaufführ* Nein, ich gebe es zu, ich hab nicht getanzt, nur gestrahlt und geguckt und bin beim Versuch, das Gäste-WC irgendwie halbwegs aufs Bild zu bannen, aufs Gästeklo gestiegen. Wäre ich ausgerutscht und reingefallen, hätte mir ja nichts mehr passieren können. Mindestens deshalb nicht, weil der Klodeckel zu war. :) Die große Tochter erkundigte sich übrigens als erstes skeptisch, ob der Ring überhaupt schwimmen könne. Immerhin hat sie ihn sofort als Rettungsring erkannt, dieses ungläubige Kind. Kein Vertrauen in die eigene Mutter, pöh! Oder vielleicht doch ein schlaues Kind mit einem Grundverständnis an Physik?imageimage

So kleine Strandhäuschen gibt es in dem Tilda-Nähbuch auch, vielleicht sollte ich auch hier noch einen Türstopper fabrizieren? Die Tür knallt sehr gerne gegen die Fensterbank, das wäre mal eine Idee. Bevor mir die irgendwann ausgehen. ;) Wer ganz genau hinsieht, kann übrigens erkennen, dass die Schlaufen am Rettungsring aus dem gleichen Stoff sind wie die Schneckenhausöffnungen. Das war der allerletzte Rest. Es sei denn, meine Mutter hat noch welchen, das sollte ich vielleicht herausfinden, bevor ich Strandhäuschen nähe. Aber bis zur nächsten Zwischendurchnäherei dauert es ja eh noch. Was darf ich denn eigentlich als nächstes machen?

  1. Celtic Christmas (6)
  2. Gästehandtücher (6/7)
  3. Klarinette (9)
  4. Tecklenburger Turney (9)
  5. Wrath (9)
  6. Patchworkdecke (6)
  7. Es war einmal (3)
  8. ??? Freischuss ???

Ich habe jetzt also ein See-WC in pink, und das, obwohl wir extrem selten an der See sind. Irgendwie ist das mit dem Reisen bei uns so: Wenn wir unterwegs sind und tolle Orte besuchen und tagelang Dinge tun, die wir zu Hause nie machen, ist es großartig. Wir bewundern Natur und Architektur, verbummeln die Tage und entspannen uns. Und denken dabei, dass man das doch viel öfter machen sollte. Aber wenn wir zu Hause sind, haben mindestens mein Mann und ich kein Bedürfnis zu verreisen. Wir sind gerne zu Hause! Eigentlich fahren wir in den letzten Jahren nur der Kinder wegen in Urlaub, und exotische Reisen sind das dann auch nicht. Eher so die „Basics“: Berge, Meer, Land mit echten Kühen, Stadt mit alten Häusern und Reiterstandbildern und Museen mit alten Bildern. Daher fand ich Gäste-WCs voller Muscheln und Segelbootbildern bislang immer … wie sag ich das jetzt? Sie tangierten mich einfach nicht. Aber jetzt. Schneckenhäuser und ein Rettungsring. In pink. Selbstgenäht! Also manchmal verstehe ich mich selber nicht mehr. ;)

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