Mama kann alles. Krippenlandschaften bauen, Plätzchen backen, Weihnachtsgeschenke einpacken (wann machst du das eigentlich, Mama?), Essen vorbereiten und die ganze Familie für den Kirchgang hübsch machen gleichzeitig. Sie steht in Verbindung mit dem Christkind und kann dafür sorgen, dass auch Wünsche erüllt werden, die erst zwei Tage vor Weihnachten auf die Wunschliste sollen. Mama kann in der Hausmeistergarage passende Schrauben für das Rollbrett finden, wenn das Christkind sie nicht mitgebracht hat. Sie versteht Playmobil-Bauanleitungen und kann die fitzeligen kleinen Teile zusammendrücken. Mama kann falsch zusammengebaute Klarinetten auseinanderbauen (mit sanfter Gewalt und unter Einsatz unzulässiger Hilfsmittel *hüstel*) und Noten lesen, die man nicht versteht, und überhaupt kennt sie alle Weihnachtslieder! Wenn Papa versehentlich die Weihnachtskleider in den Trockner wirft, kann sie Röcke daraus nähen, zehn Minuten bevor wir zu Oma zum Weihnachtskaffee müssen. Mama kann lächeln, wenn die Kinder unabgesprochene Geschenke (doppelt, in der falschen Größe oder Farbe) bekommen. Und wenn der einzige Wunsch ihrer eigenen Liste falsch erfüllt wird. Mama kann bis tief in die Nacht philosophieren und trösten und trotzdem um sechs Uhr mit dem munteren Kleinen wieder aufstehen. Mama kann alles!

Mama kann die fünf Minuten Weihnachtsstimmung genießen, wenn alle zusammen den Baum schmücken und alle Kinder die Krippenfiguren auspacken. Wenn die Großen den Kleinen auf dem Rollbrett durch die Wohnung kutschieren. Sie kann zuviele Plätzchen essen und vom ersten Glas Sekt beschwipst sein. Mama kann ruhig bleiben, wenn der Kleine mal wieder lieber vom Boden isst, während die Mittlere das Weinglas mit dem Ellbogen erwischt. Sie kann sich aufregen, wenn das Zähneputzen eine Dreiviertelstunde dauert und anschließend der halbe Zahnpastatubeninhalt auf dem Badezimmerboden verteilt klebt. Mama kann Weihnachten genießen. Und ins Kissen weinen, weil sie nicht mehr kann. Fünf Minten lang, bis das letzte Restchen Mittagspause, das ihr geblieben war, wieder vorbei ist. 

Mama kann zaubern, sagen meine Kinder. Nur ist leider die Astralenergie alle, und jetzt wird das Zaubern aus Lebensenergie bezahlt. Ich fühle mich meiner DSA-Heldin Anthea plötzlich sehr verbunden, einer Heilmagierin, die neben anderen nicht umbedingt immer netten Charakterzügen dauernd nölt, wann es endlich eine Pause gibt, weil sie regenerieren muss. Nur geht das halt manchmal nicht. In der großen Endschlacht genauso wenig wie an Weihnachten. Hilft nix. Was muss, das muss. Und Mama kann das. Wer, wenn nicht sie?

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