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Am 13. Februar ist es wieder so weit: Das Newcastle Festival of Scottish country dancing startet, und nach einem Jahr Babypause freue ich mich sehr auf meinen zweiten Einsatz. Was mich noch mehr freut, ist die Tatsache, dass mein Mann mitfliegt und mittanzt. Denn obwohl wir (im Wettbewerb) nicht im selben Set tanzen, bedeutet das ein echtes kinderfreies Wochenende für uns beide! Zusammen mit vielen netten Menschen und noch mehr großartigen Tänzern (die bestimmt auch alle sehr nett sind, aber Franzosen gegenüber werde ich immer an der Sprachbarriere schweigsam) ganz woanders sein und für zwei Tage nicht immer Mama. Ein kleiner Miniurlaub. :)

Für unser Team wurden in meinem Babypausenjahr einheitliche Röcke für die Damen genäht. Mit dem Ergebnis, dass jede nachrückende Dame jetzt noch einen Rock nach vorgegebenem Muster sowie zwei mit passendem Schrägband eingefasste T-Shirts braucht. Kein großes Problem für die Damen mit Nähmaschine zu Hause und ein bisschen Erfahrung mit Schnittmustern. Für die anderen aber doch. Und egal wie modern Nähen geworden, es kann halt doch noch nicht jede, und ausgerechnet mit einem Tartanstoff anzufangen ist vielleicht auch nicht die schlaueste Idee der Welt. Da ich eh für mich nähen musste, habe ich meiner liebsten Teampartnerin, die ebenfalls ein Jahr Pause gemacht hatte, angeboten, für sie mitzunähen. Und dann noch einer immer unter Zeitdruck stehenden Mittänzerin, die sich immer großartig um die Kinder kümmert. Das wären dann drei Röcke. Tja, und irgendwie habe ich beim Trainingswochenende im November im Gespräch in der großen Runde, als das gesamte 20-köpfige Team zuhörte, nicht richtig mitgedacht und spontan helfersyndrommäßig Ja gesagt, als unsere Musikerin mich bat, ob ich für sie auch nähen könnte. Der letzten Dame, die noch keinen Rock hat, zehn Sekunden später Nein! zu sagen, habe ich auch nicht übers Herz gebracht, und schon war es passiert. Fünf Röcke aus Tartanstoffen, mit denen ich noch keine Erfahrung habe. Bis Ende Januar, mit drei Kindern zu Hause und 26 Wochenarbeitsstunden in der Bücherei. Über Weihnachten. Nee, is klar. Großartige Idee!

Was soll ich sagen? Eine der bereits erfolgreichen Näherinnen hatte eine Fotoanleitung gemacht, das war großartig und sehr hilfreich. Meine Mutter kann nähen und war ebenfalls großartig und sehr hilfreich. Zuschneiden ist mein großes Angstthema beim Nähen (die Fehler kriegt man nicht mehr weg, und wenn man eh sehr wenig Stoff hat – argh!), gefolgt von Reißverschlüssen, die eigentlich gar nicht so schlimm sind, wenn man erst mal angefangen hat. Ich entschied, einen Proberock zu nähen und lernte, dass ich für so etwas keine Geduld habe. Vor allem nicht, wenn ich sowieso denselben Schnitt noch fünfmal nähen muss. image

Links der nicht fertig gestellte Proberock, den ich noch in der Länge anpassen und säumen muss. Der zweite Rock ist tatsächlich für die Dame mit den längsten Beinen, aber in der Länge ebenfalls noch nicht angepasst. Der zweite Rock von rechts ist meiner. Ich musste ihn noch mal aufmachen und den Reißverschluss ein zweites Mal einnähen, da ich auf der Hüfte offensichtlich doch vier Zentimeter schmaler bin als beim Ausmessen. Höhö. :) So macht Reißverschlüsse  einnähen Spaß!

Die Farbgebung stimmt übrigens wieder einmal nicht, trotz Mittagslicht bestand der Fotoapparat auf den Blitz. Das überbelichtete Regal sagt eigentlich schon alles. Einen Rock habe ich schon vor der Aufnahme weitergegeben, der hatte einen zu Dortmund passenden und absichtlich so gewählten gelb-schwarzen Tartan. Das Schwierige an der Näherei war eigentlich nur der Übergang zwischen zwei Tartanstoffstücken, der nach Möglichkeit nicht sichtbar sein sollte. Musterübergang halt. Wirklich funktioniert hat das nur bei zwei Röcken. Beim Proberock im blauen Hahnentritt war es mir egal, bei meinem eigenen Rock habe ich mich verschnitten, neuen Stoff gekauft, neu verschnitten. Wah! Aber letztendlich habe ich einfach beschlossen, dass man das auf der Tanzfläche eh nicht sieht. ;)

Der Versuch, sich vom mittleren Kind beim Tragen des Rocks fotografieren zu lassen, scheiterte micht grandios, aber irgendwie trotzdem. Unter anderem wegen der Weigerung des Kleinen, aus dem Bild zu verschwinden. Die besten drei Versuche aus etwa zwanzig sind diese hier:

  
 Wunderschön finde ich den Faltenwurf. Der schwarze Stoff ist sehr gerade geschnitten und fällt auch gerade, dagegen der Tartanstoff in großzügigen, fließenden Wellen. Am Übergang zwischen beiden Stoffen ist es am besten zu sehen. Die vorgegebene Länge ist „halbe Wade“, was mein Mann tatsächlich ausgemessen hat. Hat ganz gut geklappt. :)

Dann habe ich noch geraume Zeit damit zugebracht, nach der sehr anschaulichen Anleitung von Natron und Soda Schrägband zu produzieren. Angenäht habe ich noch nicht alle, weil mir noch nicht alle Damen die entsprechenden T-Shirts geliefert haben. Unter anderem ich. ;)

    Ich habe noch kein weißes passendes T-Shirt gefunden. Aber ich habe ja auch noch ein paar Tage bis Newcastle. Der Kleine hat zwischenzeitlich seine Begeisterung für meine Nähmaschine entdeckt und angefangen, hinter mir auf der Eckbank herumzuklettern, wenn ich daran sitze, und zu versuchen, sie näher zu untersuchen. Leider programmiert er sie dabei auch um, ich kann also nur noch nähen, wenn er schläft oder nicht zu Hause ist. Und ich nicht zu müde. Also eigentlich nie. Aber auch die T-Shirts werden großartig, finde ich. Nur schade, dass es kaum auffallen wird, wenn wir meterweit entfernt von Publikum und Jury auf der Tanzfläche stehen. :)

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