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Habe ich schon erwähnt, dass der 5. des Monats verblüffend oft auf Wochenenden oder Feiertage fällt? Im Juni im Angebot: ein Sonntag. Sogar ein fast normaler … auch wenn er nicht ganz normal los geht, denn üblicherweise beginne ich meine Tage im Bett.
0:00 Ich bin auf dem Schottischball der Bonner Tanzgruppe Skua Dubh. Ich und 71 andere Verrückte, denen mittlerweile die Füße weh tun und denen jedes Kleidungsstück am Leib klebt vor Schweiß, und trotzdem hören wir noch nicht auf. Fünf Tänze und ein Auld lang syne fehlen noch. 
1:30 Finito. jetzt „nur noch“ nach Hause fahren und ab ins Bett!
2:30 Zu Hause. Natürlich bin ich viel zu aufgekratzt, um gleich ins Bett zu gehen, also gibt es noch ein Gläschen Wein und ein bisschen Puzzle-App zum Runterkommen. Ich hoffe, dass ich Morgen (bzw. heute) ausschlafen darf. Drüber geredet haben wir nicht. Aber seit der Kleine Türen öffnen kann, entscheiden das sowieso nicht mehr unbedingt wir Eltern.
3:00 Jetzt aber ab ins Bett! Und auch so früh am Tag kann man immer noch etwas dazu lernen: 5 Stunden intensiv tanzen, dann eine Stunde Autofahren und dann ein Glas Rotwein machen betrunken. Gut zu wissen. Hick. 
3:30 Der Kleine meckert. Die Beruhigungsversuche meines Mannes fruchten nicht, also gibt es Milch und Kuscheln mit Mama. Ich war diese Woche zu oft abends weg, das mag er immer noch nicht.

8:00 Die Nachbarin zieht schwungvoll die Rolladen hoch, die Mittlere hört eine Wickie-CD und singt mit, und ich habe bohrende Kopfschmerzen. Das wird ein großartiger Tag. Ich schleppe mich zum Medizinschränkchen und zurück ins Bett.

9:00 Im Flur wird Fangen gespielt. Tapptapptapptapptapp. Wild entschlossen schlafe ich weiter.

9:30 Der Kleine stürmt das Schlafzimmer, gibt mir meine Brille, erzählt eine spannende Geschichte und bewirft mich mit seinem Fußball. Irgendwer hat ihm ein T-Shirt angezogen mit der Aufschrift: Wenn ich nicht schlafe, schläft hier keiner! Kann ich gerade nicht lustig finden. Ich schlafe wild entschlossen weiter, während er mich bestürmt, auf mir herumklettert und schließlich vom Papa samt Ball wieder abtransportiert wird Richtung Frühstück. Die Kopfschmerzen sind noch da, die Fußschmerzen auch. Es gab mal Zeiten, da war Ausschlafen einfach. Und erholsam.

10:00 Zweistimmiges Geheul seitens der Mädchen sorgt dafür, dass ich alle Ausschlafversuche aufgebe und aufstehe. Die beiden haben sich gekniffen und sterben gerade qualvoll an schweren inneren Verletzungen. Klärungsversuche bleiben erfolglos, also lasse ich es und gehe lieber zusammen mit dem Kleinen in den hochsommerlichen Sonnentag nach draußen.

11:00 Ich habe mir einen Liegestuhl und dem Kleinen einen Sonnenhut geholt und versuche einen Kaffee zu genießen, während der Kleine mein Frühstück verspeist und das zweistimmige Geheul nach draußen kommt. Die beiden halten sich wirklich ran. Die Magie der frischen Luft wirkt aber wie immer, und nach fünf Minuten schauen die Mädels einträchtig nach ihren Erdbeeren. Ich genieße den kurzen Moment der Stille und beschließe die Sendezeit der Sendung mit der Maus zu ignorieren. 
11:30 Der große Mann verabschiedet sich zum Sport, der kleine gräbt das Beet um, und die Mädels sterben vor Hunger. Beim Frühstück waren sie wohl zu schlecht gelaunt, um beim Tisch decken zu helfen, also gab es keins für sie. Jetzt gibt es auch nur Apfel oder Banane zur Auswahl, was wiederum mit Gezicke quittiert wird. Der heutige Tag wird eine einzige Übung in Gelassenheit. Aaaaaaargh!
12:30 Nach dem Mittagessen (heute mal früh, warum nur?) wird die Mittlere abgeholt zum Kindergeburtstag auf dem Reiterhof. Die abholende Mutter ist genau so erleichtert wie ich, eins der Kinder mit Bombenstimmung für ein paar Stunden abgeben zu können. Die Mittlere schaltet binnen Sekunden um auf ihre Auswärts-Version und hüpft vergnügt zu Auto, wo sie ihrer Freundin beim Anschnallen hilft, bevor sie selber einsteigt und sich anschnallt. Sonnenschein pur. 
13:00 Den Kleinen zum Mittagsschlaf hingelegt, selbst einen weiteren Schlafversuch vorbereitet, und prompt hängt die Große wie ein Schatten an mir. Ich weiß nicht mal, wie ich das finde. Leider bin ich gerade nicht bereit, meine Pause zu ihren Gunsten abzublasen. Nach diesem Morgen nun wirklich nicht. Immerhin ist sie alt genug, um Konsequenzen zu erkennen, wenn sie welche sieht, und versucht mich milder zu stimmen, indem sie freiwillig einen Brief schreibt. Könnte klappen.
15:15 Ich wache auf. Der Kleine schläft noch, die Große hat einen Brief geschrieben und beschäftigt sich leise in ihrem Zimmer, der Mann hat Kaffee gekocht. So schön kann ein Tag beginnen! Ich nehme den Kaffee erst mal mit raus, zusammen mit meinem Stickzeug. Wunderbar. :)
16:00 Der Kleine ist wieder wach und plündert die Keksdose, der Großen hatte ich schon am Freitag eine Runde „Siedler von Catan“ versprochen. Jetzt hat sie Glück und ich Zeit. Es macht richtig Spaß, mal wieder Siedler zu spielen. Meine letzte Runde ist Jahre her.
17:30 Ich fahre los, die Mittlere und ihre Freundin beim Reiterhof-Kindergeburtstag abholen. Eine gute halbe Stunde Fahrt steht an. Spontan nehme ich Reinhard Meys „Alleingang“ mit und singe im Auto eine halbe Stunde lang laut mit. Heute Nachmittag ist gute Laune angesagt. Dazu passend hole ich meinen mittleren Sonnenschein strahlend ab. Sie und das Geburtstagskind durften als Einzige traben, obwohl sie Ponys vorher nur in der Theorie kannte. Na gut, sie hat schon mal auf einem gesessen, aber mehr war noch nicht. Heute Nachmittag hat sie ihre breite Theorie dann wohl praktisch umgesetzt und dem zu führenden Pony tatsächlich ihren Willen aufgezwungen. Meine Tochter. :)
19:00 Wieder zu Hause angekommen finde ich zwei Kinder in der Badewanne, das dritte hüpft freiwillig mit rein. Ich mache solange die Fritteuse an, denn Sonntag Abend gibt es bei uns immer Fritten mit Frikandeln. Holländische Importware. :) Während die Fritteuse aufheizt, setze ich noch eben schnell neues Brot an und befülle den Joghurt-Maker. Es gibt so Küchengeräte-Schnickschnack, den ich einfach liebe. 
20:00 Der Kleine ist im Bett, die Großen bettfertig, die Schultasche gepackt. Und wir nehmen uns noch Zeit für die „Sendung mit der Maus“. Danach geht es dann hoffentlich problemlos ins Bett! 
21:00 Soviel zur Hoffnung. Die Große hat vergessen ihre Sporttasche zu packen, und nach zehn Minuten Suche fällt ihr auf, dass sie wohl die Tasche am Freitag in der Schule vergessen hat. Nu aber hopp ins Bett!!
21:10 Die Mittlere kommt schluchzend an, das Knicklicht von der Schatzsuche ist im Bett ausgelaufen. Ich wechsle die Bettwäsche, die Tochter den Schlafanzug, und dann muss sie noch mal Zähne putzen, weil sie so einen Geschmack im Mund hat. Angeblich hatte sie das Knicklicht aber nicht im Mund. Hoffen wir mal. Jetzt aber schnell ins Bett!!!
21:20 Die Große kommt fragen, was denn los ist. Ich teile ihr mit, dass jetzt alle Kinder schlafen gehen, das ist los. Ich freue mich schon auf die nächste Runde gegen dir Uhr Morgen früh!
21:30 Alle Kinder im Bett, ich mit Stickzeug auf der Couch und „Call the midwife“ Staffel 2 im DVD-Player. So ungefähr hatte ich mir das vor einer Stunde vorgestellt.
22:45 Bei einem Rotationsstand von 8:20 Stunden und nach zwei Folgen, bei denen ich nur zweimal schluchzen musste (ich bin echt furchtbar in dieser Hinsicht) beschließe ich ins Bett zu gehen. Ein Blick nach draußen offenbart ein paar Kissen, die noch reingeholt werden sollten, und zwei Glühwürmchen. Ich weiß nicht, ob ich schon mal Glühwürmchen gesehen habe, und fühle mich fast wie ein Kind, während ich mich nicht von dem Anblick losreißen kann. Erst ein Donnergrollen jagt mich wieder samt Kissen ins Haus.
23:14 Zeit fürs Bett. Der Wecker steht auf 6:00 Uhr, Morgen werde ich mich wieder verfluchen, warum ich noch eine DVD angemacht habe, statt ins Bett zu gehen. Oder an unser Aupair zu schreiben, jetzt bin ich schon eine Woche überfällig mit der nächsten Alltag-in-Deutschland-Mail. Naja, jetzt ist zu spät, um diese Uhrzeit hüpfe ich nur noch schnell rüber zu Frau Brüllen und stelle mich in der langen Reihe der Tagebuchblogger hinten an bei „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

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