Der 5. August 2016. Ein Freitag in den Sommerferien, mein letzter Arbeitstag vor drei Wochen „Urlaub“. Familienkonstellation: Vater, Mutter, Kind (Einzahl, knapp zweijährig). Und los geht’s mit dem Tag:

6:30 Der Wecker klingelt. Aufstehen, ins Wohnzimmer schlurfen, Kaffee gereicht bekommen, einen Faden sticken und dabei mit dem Mann den Tag planen. Ein entspannter Morgen. Dann die vorbereitete Waschmaschine starten und eine Frühstücksdose für den Kleinen packen. 

7:00 Der Trockner ist ausgeräumt, ich bin angezogen, der Kleine ist wach. Läuft! Im Verlauf der nächsten dreiviertel Stunde liege ich fünfmal auf dem Boden, um irgendwelche Bälle unter diversen Möbelstücken hervorzuziehen. Ich habe den leisen Verdacht, dass der Kleine das extra macht, als Rache für ungewolltes Zähneputzen und Windeln wechseln. Kaum sind wir abmarschbereit, ist die Waschmaschine fertig. Schnell noch den Trockner befüllen und anstellen, für eine zweite Waschmaschinenbefüllung fehlt mir die Zeit. Dann machen wir uns auf den Weg zum Kindergarten.

8:00 Sohn beim Kindergarten abgegeben, pünktlich auf die Minute. Ein Kind oder drei macht doch einen Unterschied. Ich vermisse die beiden Großen trotzdem. :( Jetzt schnell mit dem Rad zur Arbeit. Bei 13 Grad im T-Shirt, da die Strecke mehrheitlich bergauf führt und eigentlich immer nur nachmittags Spaß macht. Aber Radfahren ist gesund, und frische Luft macht gute Laune. Ganz bestimmt. Auf dem Weg in die Innenstadt denke ich fieberhaft darüber nach, wann ich den großen Bücherei-Schlüsselbund das letzte Mal gesehen habe. Gestern konnte ich ihn spontan nicht finden, was mir doch ein bisschen Sorge macht. Ich sollte spätestens nach dem Urlaub gründlich danach suchen, bevor er ernsthaft vermisst wird…

9:00 Angekommen, eingeloggt, Mails gecheckt, mit der Kollegin über den Schlüsselverbleib gerätselt. Jetzt Herrn Erdmann einsammeln und gleich wieder los, Herr Erdmann hat um 9:15 einen Termin mit einem anderen Maskottchen, ebenfalls einem Erdmännchen.

9:45 Wieder im Haus, mit der Chefin über den Schlüsselverbleib gerätselt, leichte Panik unterdrückt. Der kann nicht weg sein, das ist ein großer Bund! Im Büro wartet eine Zeitung auf mich, unser Herr Erdmann wird mit einem großen Artikel vorgestellt. Das Interview hatte ich vor Wochen geführt und seitdem auf das Ergebnis gewartet. Das ist jetzt der zweite wunderbare Artikel von insgesamt dreien, die aus diesem einen Termin entstehen sollen. Mein Mann fragt sich allmählich, welcher Natur mein Verhältnis zum WAZ-Lokalredakteur ist. ;)

10:00 Beginn meiner Schicht Auskunftsdienst. Drei Stunden Erdgeschoss stehen an, also direkt hinter dem Eingang, wo das Fragensortiment von „ich will ins Internet“ über „ich möchte Bücher verlängern, kann ich das bei Ihnen machen?“ bis „wo sind die Sachbücher?“ reicht. Eigentlich eine nette Schichte heute Morgen, nur sobald ich mich daran mache, den WAZ-Artikel in unseren Blog einzubauen, klingelt das Telefon oder es steht jemand vor mir. Der Kollege, mit dem ich im Verlauf des Vormittags beim Du lande, und ich erklären, schicken weiter, verlängern, vertrösten, ermahnen auch mal, zeigen uns kulant, sind freundlich und haben Spaß dabei. Die Leser merken es und haben auch Spaß.
11:30 Halbzeit, ein Anruf von der Chefin. Die Bauarbeiter müssen jetzt doch in zwei Abstellräume, von denen uns auf dreimaliges Nachfragen versichert wurde, sie gehörten nicht zum Sanierungsbereich und die von uns entsprechend voll gestellt wurden. Bis Montag müssen die Räume leer sein, dafür braucht man neben schleppwilligen Kolleginnen dringend – den Schlüssel. Mir bricht der Schweiß aus. (Meiner Chefin vermutlich auch.) Danach zieht sich die Zeit bis zur Ablösung, ich halte etwas verkrampft durch und schaffe es tatsächlich auch noch, den WAZ-Artikel zu bloggen und das Maskottchen-Treffen zumindest zu schreiben.

13:00 Ablösung, schnell zurück ins Büro, der Schlüssel ist weiter verschwunden. Ich muss noch dies und das tun, bevor ich in der Zweigstelle noch mal gründlich suchen kann. Die beiden Kolleginnen, die heute Nachmittag in der Zweigstelle Dienst haben, wollen auch gleich los.

14:00 Dies und das getan, ab aufs Rad und los zur Zweigstelle. Mit dem Auto wäre ich jetzt doppelt so schnell. Allerdings hätte ich dann diese Sonnenscheinfahrt nicht und den Weg durch den unbekannten Park nicht entdeckt, schön parallel zur wirklich unangenehmen Baustelle. Perfekt!

14:35 Ich bin da, und die Kollegin hält mir den Schlüssel entgegen. Er war genau da, wo er hingehört. Mir fällt ein Gebirge vom Herzen, jetzt bin ich platt. Und urlaubsreif. :) Schnell noch ausloggen und ab in die Freizeit!

15:15 „Mal eben schnell“ noch beim Supermarkt reingehüpft für letzte Besorgungen. Ich habe Verständnis für die Bitte, „aus gegebenem Anlass“ Taschen und Rucksäcke an der Information abgeben zu müssen, aber kein Verständnis dafür, dass die Information mit nur einer Person besetzt ist. Schlecht geplant! Nach dem Einkauf zurück nach Hause. Mann und Kind sind noch nicht da, Internet und Telefon leider auch nicht. Vielleicht sollten wir doch den Anbieter wechseln, das ist nämlich nicht das erste Mal. Ich nutze die Ruhe, um diesen Blogartikel schon mal anzufangen. Und die Waschmaschine neu zu befüllen.

15:30 Heftiger Wind, starker Regen, keine Spur von meinen Männern. Mein Mann wollte noch joggen vor dem Abholen und ist daher nicht erreichbar. Ich nehme mir einen großen Regenschirm und laufe los. Auf der Straße habe ich immerhin Händiempfang, so dass ich in der KiTa anrufen kann, wo mir bestätigt wird, dass die Beiden vor einer Viertelstunde los sind. Herzkasper zum Zweiten!

15:45 Der große Mann ist zu Hause, der Kleine nebenan bei Oma. Die werden wieder monatelang weg sein, wenn wir aus dem Urlaub zurückkommen, also ist das die letzte Gelegenheit für Oma, sich mit dem Enkel anzufreunden. Offenbar sind die beiden vermissten Männer gerade bei meiner Schwiegermutter rein, als ich losgezogen bin. Mein Mann versteht überhaupt nicht, wieso ich jetzt so komisch drauf bin, und kocht mir einen Kaffee für den Kreislauf.

16:30 Wir nutzen die Abwesenheit kleiner Kinder, um schon mal die erste Runde Auto-Tetris zu spielen. Die nördliche Schwester, die in den nächsten Tagen von uns heimgesucht wird, bekommt ein Regal mitgebracht. Die Theorie: das Regal auf den Rücken ins Auto legen und das Gepäck ins Regal. Die Praxis: ein Zentimeter Regal zuviel. Also „mal eben schnell“ eine Seitenwand abschrauben, und schon passt es. Der Mann schließt den Kofferraum und fragt sich anschließend, wo der Autoschlüssel ist. Herzkasper zum dritten. So langsam reicht’s!

17:00 Kurze Verschnauf- und Blogpause, dann geht es weiter mit Packen, Wäsche umladen, mit der Schwester telefonieren zwecks Gepäckmengenabklärung, an dies und das denken und laufen, laufen, laufen. Mein linker Fuß merkt an, dass er immer noch überlastet ist, leider kann ich ihm gerade nicht helfen. Fliegenfalle ans Kinderzimmerfenster, weil sieben Fliegen an einer Fensterscheibe dann doch zuviel sind, und prompt verkehrt herum aufgeklebt. Jetzt klebt das Fenster, ich finde den Glasreiniger nicht, der Mann weiß nicht, wo der Glasschaber ist, und ich habe das dringende Bedürfnis zu schreien. Dann kommt der übergelaufene Kleine von Oma zurück, denn die wickelt aus Prinzip nicht. Während ich wickle, rechne ich im Kopf zusammen, wie oft ich das im Gegensatz zu ihr gemacht habe, wenn ein Kind ungefähr drei Jahre zum trocken werden braucht, durchschnittlich vier bis fünf Windeln am Tag braucht und ich jetzt seit acht Jahren wickle … das Verhältnis zu meiner Schwiegermutter wird nicht besser.

(Kofferraum Stand 6.8. Morgens. Ohne Gepäck von Mann und Töchtern.)

18:30 Langsam sollte ich übers Abendessen nachdenken. Es gibt Reste. Eigentlich ist Omelette geplant, mit Kräuterfrischkäse und Schinkenwürfeln, dazu Salat. Uneigentlich ist der Trockner in dem Moment fertig, in dem das Omelette fast fertig ist, und als ich zurück in die Küche komme, klebt es am Pfannenboden und lässt sich nicht mehr wenden. Ich schalte blitzschnell um auf Rührei, reichere Ei und Salat noch mit jeweils einer halben Dose Mais und einer Handvoll Reibekäse an, und schon ist das Essen fertig. „Selbst das Essen ruinieren hast du ruiniert“, sagt mein Mann, denn es schmeckt wirklich sehr gut, das ruinierte Omelette. Heute klappt aber auch wirklich gar nichts.

19:45 Fertig gegessen, fertig abgeräumt, Internet und Telefon beschließen, die Leitung wieder in Betrieb zu nehmen. Hurra! Ich fühle mich wie abgeschnitten von der Welt, wenn mir die Leitung gekappt wird. Wenn ich mich freiwillig zum Verzicht entschließe, ist das was anderes! Die Mädchen rufen wie jeden Abend an, um gute Nacht zu wünschen und zu erzählen, was sie heute so gemacht haben. Alle freuen sich auf Morgen, wenn wir uns nach einer Woche wieder sehen.

20:00 Eigentlich ist es viel zu spät für den Kleinen, aber das ist halt jetzt so. Zähne putzen macht noch genau so wenig Spaß wie heute Morgen, diesmal übernimmt es aber der Mann. Ich leere und befülle die Waschmaschine ein weiteres und letztes Mal und fange endlich an, die Klamotten für den Sohn zu packen. Das war mal wieder gut mitgedacht, damit zu warten, bis ich nicht mehr an den Kleiderschrank komme, ohne ihn aufzuwecken. Argh. Hoffentlich ist in der Wäsche von heute genug Wäsche für die nächsten Tage.

21:00 Bis auf die Kultursachen, die wir Morgen früh noch brauchen, ist alles von mir zu Packende gepackt und im Auto verstaut. Mein Mann hat zwischendurch mal angefangen, hat aber offenbar beschlossen, Morgen früh weiterzupacken. Da er schon groß ist und er derjenige, der Morgen früh pünktlich loskommen will, lasse ich ihn. Was soll ich mich jetzt noch aufregen, der Tag war lang genug. Der Fuß schmerzt, ich bin müde, ach, und die Geburtstagsgeschenke für den Kleinen muss ich noch rauskramen und ver- und einpacken.
Die Sachen sind nicht da, wo ich sie vermutet hatte, und ich fluche ein weiteres Mal laut und vernehmlich, finde sie dann aber doch. Nicht im Geschenkefach, sondern in der Schublade mit den Dingen, die wir irgendwo hin mitnehmen müssen. Das war eigentlich gut mitgedacht von mir …

22:00 Noch einen Faden gestickt, mit dem Mann ein bisschen vor dem Computer gesessen (und das Quiz nicht lösen können, wieso auch), ab ins Bett. Das Internet hat sich wieder verabschiedet, also versuche ich Morgen hochzuladen. Was für ein vermurkster Tag. Die nächsten drei Wochen werden hoffentlich besser!

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