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Ich habe gestickt. Unglaublich, aber wahr, ich habe abends auf dem Sofa gesessen und gestickt. Und manchmal sogar nachmittags! Sehr entspannend übrigens ohne mitlaufende Uhr, da ich das Reisetaschen-Projekt „Eulen über Eulen“ gerne bis Ostern fertig hätte (in der Hoffnung auf einen Tausch gegen eine fertige Kommunion-Strickjacke), und eine kurze Zählung Anfang des Jahres ergab 8 fertige Eulen und 21 noch zu stickende. Da muss ein bisschen Tempo gemacht werden. dscf1113Die großen Eulen sind nicht so ganz meins. Das Sticken zieht sich vor allem bei den vergleichsweise großen Flügelflächen, auch wenn es verglichen mit anderen Stickbildern immer noch sehr übersichtlich ist.

Ansonsten ist es wunderbar bunt, stimmungsaufhellend im Februar und schlicht GESTICKT. Ich kann gar nicht in Worten ausdrücken, was für ein Balsam das für meine Seele ist, die schlichte Bewegung des Einstechens und Durchziehens, der Ehrgeiz, regelmäßige Kreuzchen zu produzieren und der Stolz, wenn man das Werk eine Armlänge auf Abstand hält und feststellt, wie aus schlichten Kreuzchen in bunten Farben etwas Neues entstanden ist, das mehr ist als die Summe vieler Kreuzchen. Eine Eule zum Beispiel. :) Habe ich dabei noch ein Hörbuch auf den Ohren und die Kinder schlafend im Bett, dann kann ich abtauchen aus dem Alltag in eine Art Blase, und die Welt besteht für ein paar Minuten oder ein, zwei Stündchen nur aus meinem Platz auf dem Sofa, dem Lichtkegel der Lampe, der Stickarbeit und einer Geschichte, die mir von einer anderen Welt erzählt. dscf1115 Als Größenvergleich der erste Aufsatz der Mittleren, ein Klassiker der Schulliteratur: „Meine Ferienerlebnisse“, geschrieben nach den Weihnachtsferien. Die Übersetzung für alle ungeübten „lautgetreues Schreiben“-Leser: „Ich war in der ersten Woche in Urlaub bei Oma und Opa. In der zweiten Ferienwoche hatte ich ein paar Tage frei. Dann war ich drei Tage lang Sternsinger.“

Wenn man lange genug an einem Projekt arbeitet, vergisst man auch die ersten Eindrücke, und so staunt man am Ende selber, wer all diese Kreuzchen gesetzt hat, wie schön es geworden ist, und gerne auch mal, wie klein die Kreuzchen sind. Das ist etwas, was mir beim Sticken selber nie auffällt. Bis jetzt ist noch jede Eule mit einem „Hallo du!“ begrüßt worden und einem kurz streichelnden Finger, so sehr machen sich die Eulchen selbständig. Mein Liebling ist übrigens die kleine, grüne Eule rechts „unten“, die bei näherer Betrachtung ein bisschen peinlich berührt aussieht. „Ich weiß auch nicht so recht, was ich hier mache … eigentlich wäre ich lieber woanders.“ dscf1114Die Rotation setzt jetzt erst einmal aus, bis alle 29 Eulen fertig sind. Schließlich möchte ich ja nicht nur vor Ostern die Eulen gestickt haben, sondern auch vor Weihnachten ein paar äußerst niedlicher Eisbären. :)

 

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