Mittlerweile ist es ein paar Wochen her, dass ich in einem Blog einen Alltagsbeitrag las – was ich eigentlich sehr gerne tue und auch in diesem Fall gerne tat. Die Blogautorin ist ein paar Jahre jünger als ich, fährt aber auch viel Fahrrad und unterscheidet sich im Lebensstil vermutlich nicht so sehr von meinem. Der große Unterschied ist, dass sie keine Kinder hat und ich schon. In diesem speziellen Blogbeitrag erzählte sie nebenbei, dass sie einen Schrittzähler benutzt. 10.000 Schritte am Tag sollte man schaffen, das ist das allgemein anerkannte Ziel. Die Bloggerin schaffte an diesem Alltag 3.500. Ich weiß nicht, warum mir diese Zahl nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich habe auch eine Zeitlang einen Schrittzähler genutzt, und ich komme an normalen Tagen auf 8.500 bis 11.500 Schritte. Die geforderten 10.000 sind keine große Herausforderung. In meinen aktuell gut gefüllten Tagen und der müden Grundstimmung, die mich plagt, wünsche ich mir ein Dreieinhalbtausend-Schritte-Leben.

Genau das denke ich, wenn ich abends auf der Gartentreppe sitze, ein bisschen Restwärme und die Blütenpracht von Glockenblumen, Goldfelberich und Nelken genieße, in meinem Rücken (hoffentlich) schlafende Kinder und wachsende Kramstapel, vor mir endlich Feierabend (um 21 Uhr). Tausend Pläne im Kopf, aber keine Energie mehr. Weder im Kopf noch in den 10.000-Schritte-Füßen. Nur die Hände, die können und wollen noch. Wenn ich mich nur aufraffen könnte … Rotation ist was Feines, bewährte Projekte, nichts ausprobieren, nicht „mal eben schnell“ tüfteln, ob das jetzt so funktioniert, wie ich mir das vorstelle.

Im Badezimmer liegt ein Buch. „Besser leben ohne Plastik“. Gute Idee eigentlich, weniger Plastik zu verbrauchen, in einer sechsköpfigen Familie fällt eine Menge davon an. Geld sparen könnte man sogar, wenn man seine (frau ihre) Haarspülung selber macht und ähnliches. Das Buch ist voller Rezepte und Vorschläge und Tipps. Das mit der Haarspülung probiere ich vielleicht sogar mal aus, ich müsste nur einkaufen und anrühren und mich aufraffen. Naja. Toilettenpapier im Jahresvorrat aus dem Internet im Karton zu bestellen, um die Plastikverpackung zu sparen, das ist dann wieder so eine Idee … ich fürchte, soviel Stauraum haben wir nicht. Schnell überschlagen, auf meiner Gartentreppe im Abendsonnenschein, 300 Rollen dürften es schon sein. Großfamilie und so. Immerhin schafft es das Buch, dass ich beim nächsten Einkauf die Mayonnaise im Glas kaufe statt der Tube. Mit Plastikdeckel (beides). Konsequent sein ist manchmal ganz schön schwierig. Und nehme ich jetzt die plastikverpackte Bio-Paprika aus den Niederlanden oder die lose, herkömmliche Paprika aus Spanien? Für die Umweltbilanz esse ich vermutlich besser gar keine Paprika. Oder nur aus dem eigenen Garten. Wo sich mein Dreieinhalbtausend-Schritte-Schweinehund fröhlich im Kreis rennend in den eigenen Schwanz beißt.

Aber sonst geht es mir gut. Uns geht es gut. Alle sind gesund, die Kinder entwickeln sich gut und füllen ihre Terminkalender mit Freunde besuchen, Kindergeburtstagen, Kinderstudien, Musik und Sport. Am Wochenende gerne mal einen Ausflug (dafür reicht die Zeit, und die Kramstapel hüsteln), Zeit zum Handarbeiten (unkreatives, das Tilda-Nähbuch aus der Bücherei hüstelt, das angefangene Geschenkbeutel-Nähprojekt (kreativ und müllvermeidend) lädt den Staub zur Demo ein) findet sich, Alles gut. Das Leben ist voll, prall, bunt und laut, so soll es sein.

Dreieinhalbtausend Schritte.

Ich glaube, ich bin urlaubsreif. :) (Vielleicht habe ich ja Glück, und der Dreieinhalbtausend-Schritte-Gedanke lässt mich endlich in Ruhe, jetzt, wo er im Internet spielen darf.)

Advertisements